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Reduzierung 03
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Reduzierung des Eintrags von Mikroplastik

Es ist davon auszugehen, dass kurz- bis mittelfristig keine Technologien zur Verfügung stehen, mit denen Mikroplastik aus aquatischen Umweltsystemen zurückgeholt werden können. Neben den Bemühungen, Maßnahmen zur Entfernung von Mikroplastik zu entwickeln,  ist daher der Aspekt der Vermeidung weiterer Einträge entscheidend. Dazu gibt es verschiedene Ansätze unternehmerischer, rechtlicher und technischer Art, die größtenteils noch auf ihre Realisierung warten.

Mittlerweile entscheiden sich zahlreiche Unternehmen, insbesondere aus der Kosmetikbranche, im Rahmen einer Selbstverpflichtung freiwillig dazu, auf industriell hergestelltes Mikroplastik (Microbeads) als Inhaltsstoff ihrer Produkte zu verzichten. So ist zum Beispiel Zahnpasta seit Anfang 2015 frei von Mikroplastik. Weitere namhafte Produzenten von Kosmetika und Waschmitteln stellen ihren vollständigen Verzicht auf Mikroplastik für 2015 bzw. 2016 in Aussicht. Forciert wird diese Entwicklung durch die wachsende Kritik von Verbrauchern und Umweltschutzverbänden und einem daraus resultierenden Imageverlust der Unternehmen. Durch Aufrufe zum Boykott und Petitionen drohen Unternehmen, die weiter Mikroplastik einsetzen, zudem ökonomische Einbußen. Hinzu kommt, dass eine Notwendigkeit des Einsatzes von Microbeads nicht gegeben ist. Schon heute stehen unterschiedliche, biobasierte Substitute zur Wahl, mit denen sich die gewünschten Eigenschaften der Produkte ebenso erreichen lassen. So forscht etwa das Institut UMSICHT an der Entwicklung natürlicher, ökologisch unbedenklicher Partikel aus unterschiedlichen Biowachsen, die die kleinen Polymere in Kosmetika ersetzen sollen. (s. auch Substitution von Mikroplastik). (bund.net, plasticontrol.de, ugb.de)

Die Selbstverpflichtung einzelner Unternehmen reicht vor allen den Umweltverbänden noch nicht aus. Dementsprechend fordern Verbraucherinitiativen, Organisationen wie GREENPEACE der BUND sowie einige Parteien ein gesetzliches Verbot von Mikroplastik. Für eine Verschärfung der Gesetze allerdings ist seitens der Regierung der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand noch nicht eindeutig genug. Auch der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel e.V. empfiehlt seinen Mitgliedern lediglich den  Verzicht auf Mikroplastik. Befürworter eines bindenden Verbots von Mikroplastik sehen hierin einen Impulsgeber für Innovationen hinsichtlich der Entwicklung von Alternativen für die Kunststoffpartikel. (ugb.de, umweltruf.de, bund.net, greenpeace.org, plasticontrol.de)

Die Entstehung von sekundärem Mikroplastik durch die Fragmentierung von Plastikabfällen in Gewässern, könnte durch einen EU-Gesetzesentwurf verringert werden. Anfang März 2015 wurde beschlossen, den Verbrauch von Plastiktüten in den EU-Mitgliedsstaaten bis 2019 von aktuell 200 auf etwa 90 Tüten pro Jahr und Kopf zu senken. Die Mitgliedstaaten können nun selbst entscheiden, ob sie Plastiktüten in Zukunft besteuern (Irland) oder sogar verbieten, wie es beispielsweise kürzlich im US-Bundestaat Kalifornien umgesetzt wurde. Durch die neuen Regelungen soll sich die Zahl der im Umlauf befindlichen Plastiktüten verringern und infolgedessen auch ihr Eintrag in die Umwelt mit allen Folgen. (ugb.de, bund.net, umweltruf.de, mikroplastik.de, law-europe.eu, zeit.de)

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Eintragspfad sind Verluste von Kunststoffgranulat, s. g. »resin pellets«, die als Rohstoff für die Kunststoff verarbeitende Industrie dienen. Diese Verluste können innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette (Produktion, Vertrieb, Lagerung, Transport, Weiterverarbeitung) auftreten. Um dem entgegen zu wirken, haben PlasticsEurope Deutschland und der Verband der chemischen Industrie (VCI) das Praxisprojekt »Zero Pellet Loss« etabliert, bei dem sich die teilnehmenden Unternehmen zur Umsetzung eines 10-Punkte Programms verpflichten und die Prävention vor Verlusten optimieren sollen. Das gleiche Ziel verfolgt das internationale Projekt »Operation Clean Sweep«, welches den Partnerunternehmen ebenfalls einen Leitfaden und eine Plattform zum Austausch von Strategien und Maßnahmen bereitstellt. (verpackungsrundschau.de, opcleansweep.org)

In technischer Hinsicht steht zur Reduzierung von Mikroplastikeinträgen in die aquatische Umwelt in erster Linie die vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen (z. B. Aktivkohle- oder Tuchfilter) zur Diskussion, die eine hohe Abscheidungseffizienz verspricht. Allerdings besteht zurzeit noch keine gesetzliche Pflicht zur vierten Prozessstufe, die heute zumeist im Kontext der Spurenstoffelimination erwägt wird und weniger in Bezug auf Mikroplastik. Eine fehlende gesetzliche Verpflichtung, in Kombination mit hohem Bau- und Kostenaufwand, hemmt die Betreiber von Kläranlagen, in eine zusätzliche Reinigungsstufe zu investieren. (masterplan-wasser.nrw.de, klaerwerk.info)

Eine weitere technische Maßnahme gegen Mikroplastikemissionen wäre die Entwicklung geeigneter Waschmaschinenfilter, die in der Lage sind, aus synthetischen Textilien herausgelöste Mikrofasern zurück zu halten und so deren Weg ins Abwasser verhindern. Vielerlei technische Prozesse und Vorrichtungen werden zwar häufig gefordert, sind bislang jedoch nur partiell realisiert. (mikroplastik.de)


Ansprechpartner: Ralf Bertling


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   Thementisch Mikroplastik 
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